Scherf in EN

Veröffentlicht am 16.03.2010 in Allgemein

Henning Scherf erzählte in Witten vom Zusammenleben vieler Generationen

Witten/Ennepe-Ruhr. „Wie wollen wir im Alter leben?“ Henning Scherf macht alten und jungen Menschen Mut, es in Zukunft nicht neben- sondern vor allem miteinander zu probieren. Gut gelaunt nahm Bremens ehemaliger Bürgermeister am Dienstagabend die über 100 Gäste im Haus Witten für seine nunmehr wichtigste Botschaft ein: „Wir sollten die altersveränderte Gesellschaft als reizvolle Chance für einen völlig neuen Umgang zwischen den Generationen begreifen.“

Auf Einladung von Thomas Stotko, Rainer Bovermann und Hubertus Kramer, den Landtagsabgeordneten des Ennepe-Ruhr-Kreises (alle SPD), breitete Henning Scherf amüsante und berührende Beispiele aus, vom gemeinsamen Leben der Generationen. Gesammelt hat sie der 71-Jährige im eigenen Wohnzimmer: In Bremen lebt Scherf mit neun weiteren Bewohnern in einem Haus, sie kochen und essen gemeinsam, hören einander zu und helfen sich. Unter ihnen ein katholischer Priester, ein überzeugter Atheist, ein Rentner mit minimalen Bezügen, ein Ex-Ministerpräsident – zehn Typen, die unterschiedlicher nicht sein können, auch was ihr Alter betrifft. Doch das trennt sie nicht, es hält sie vielmehr auf Trab.
Genau so hat es sich Scherf gewünscht, als er 50-jährig mit einigen Freunden und deren Familien den Mehrgenerationen-Versuch begann. Denn einsam alt werden wollte er nicht. Das Ergebnis ist spannend nicht nur für die zehn Bewohner, auch Henning Scherfs sieben Enkelkinder halten die WG für „eine gute Adresse“. Über Vorzüge freuen sich die Beteiligten allen Alters. Die Jungen hätten Betreuung und Hilfe bei den Kindern, die Älteren seien eingebunden, könnten helfen, wenn sie wollten. Denn, so Scherf: „Das Schlimmste ist, nichts mehr zu tun zu haben.“
Zu einer neuen Qualität fand das Zusammenleben, als es erstmals auch um die Pflege einer todkranken Bewohnerin ging. „Wir haben das gemeinsam gemacht, denn darum hatte sie uns gebeten“, erzählt Scherf. Ein weiterer Todesfall brachte selbst einzelne Kinder der Mitbewohner wieder zurück, weil sie sich einbringen wollten, aus Solidarität. „Wir sind durch die gemeinsame Aufgabe stärker zusammengerückt.“
Diese neuen Erfahrungen – und nicht etwa die Abwesenheit von Arbeit – machen die Gegenwart zur „besten Zeit meines Lebens“ für Henning Scherf. Die Teilung des Arbeitslebens in Ausbildung, Berufsleben, Rente sieht er skeptisch. „Wer hat den Ruhestand eigentlich erfunden? Ich will aktiv und unter Menschen sein.“ Diese Meinung teile er mit vielen Altersgenossen, das zeige der große Anteil Älterer am Bremer Freiwilligendienst. Und je reger die Älteren desto zufriedener auch die Jungen: „Die freuen sich, dass die Alten mobil sind und sie sie nicht frühzeitig pflegen müssen.“ Alt oder Jung – jeder brauche eine aktive, gestaltende Rolle in der Gesellschaft, meint Henning Scherf. Sie auch gemeinsam zu suchen und finden, dazu lud er mit seinem Vortrag ein.

 
 

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