Kommentar von Alexander Teske: Wir müssen den 8. Mai als Befreiung feiern!

Veröffentlicht am 15.04.2020 in Allgemein
 

Wenn man sich nach diesem langen und vor allem in der derzeitigen Situation sehr ungewöhnlichen Osterwochenende den Kalender der Feiertage anguckt, wird man merken, dass in Deutschland die Feiertage vor allem entweder religiös bestimmt sind oder eine zeitgeschichtliche Bedeutung aufweisen. So ist es fest in der deutschen Gesellschaft verankert, dass man die Geburt Christi an Heiligabend, dem 24. Dezember begeht. Oder dass man eben jetzt am Karfreitag an die Kreuzigung Jesu und am Ostersonntag an die Auferstehung Jesu erinnert. 

Auf der anderen Seite haben wir viele Feiertage, welche uns an die deutsche Geschichte erinnern lassen. So feiern wir beispielsweise den 3. Oktober als Tag der deutschen Einheit, als endgültig die damalige DDR zum Geltungsbereich der Bundesrepublik beitrat. 

 

Von Alexander Teske

Dies sind Alles tolle Beispiele, welche zum Einen die christliche Prägung unseres Landes widerspiegeln, aber auch gleichzeitig unsere Geschichte, die Geschichte der deutschen Nation und viele wichtigen Stationen dieser nicht immer leichten Geschichte an einem bestimmten Tag wieder greifbar machen. 

 

Als die Jusos im Ennepe- Ruhr- Kreis, welchen ich als Mitglied der Jusos Ennepetal und der SPD Ennepetal angehöre, mitteilten, dass Sie fordern möchten, den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ und als einen gesetzlichen Feiertag in der Gesellschaft zu verfestigen, habe ich mich dafür entschieden, ein persönliches Statement zu schreiben. 

 

Worum geht es genau und warum sollte er gerade jetzt eingeführt werden? Erstmals wurde dieses Jahr der 8. Mai im Bundesland Berlin als gesetzlicher Feiertag eingeführt. Er soll einmalig im Jahr 2020 gefeiert werden und es soll für diesen Tag die Bezeichnung „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“ verwendet werden.

 

Die geschichtliche Einordnung ist denkbar einfach und schnell erzählt: Am 8. Mai 1945, in diesem Jahr also vor 75 Jahren, erfolgte die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Am späten Abend unterzeichneten die zuständigen Generäle der Wehrmacht, der Marine und der Luftwaffe des Deutschen Reiches die bedingungslose Kapitulation in Berlin und besiegelten damit das Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem europäischen Kontinent. 

In den ersten Jahren nach dem Krieg wurde dieser Tag nicht als Befreiungstag angesehen. Es waren die Sozialdemokraten unter Bundeskanzler Willy Brandt, die zum 25. Jahrestag im Bundestag eine Regierungserklärung abgaben. Grade unsere Vorgänger in der SPD haben also den Anfang dafür geebnet, dass dieser Tag eine größere Aufmerksamkeit in der Gesellschaft erlangte..... zu Anfang auch noch gegen Widerstände aus den Reihen von CDU und CSU! 

 

Dass dieser Tag meines Erachtens nach zurecht als Tag der Befreiung von der Gesellschaft verstanden wurde, begann erst mit dem 8. Mai 1985. Die Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum „40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der NS- Herrschaft“ vor dem Bundestag markierte diese Sternstunde mit den Worten: „(....)Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für Alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.(....)“. Ich persönlich durfte den ehemaligen Bundespräsidenten vor einigen Jahren persönlich kurz kennenlernen. Leider war ich damals noch zu jung, um zu wissen, welche wichtigen Worte dieser Politiker zu uns Allen gesagt hat. 

 

Man hat in der Vergangenheit gesehen, dass dieser Tag umstritten war und der Tag wird auch für die Zukunft umstritten bleiben. Die Jusos und ich wissen, dass nicht jeder unsere Forderung mittragen wird. Es wird einige geben, die die Argumente der Vergangenheit aufgreifen werden und sagen werden, dass man Niederlagen nicht feiern solle. 

Ich persönlich denke, dass man diesen Tag dennoch als eine Befreiung sehen sollte. Wie von Weizsäcker damals richtigerweise sagte, wurden unsere Vorfahren von der grauenvollen Herrschaft des Nationalsozialismus befreit, die in ganz Europa Familien auseinandergerissen hat und Millionen von Menschen durch Willkür, Hass und Rassismus das Leben kostete. 

 

Der Feiertag könnte außerdem die Meinung darüber in der Gesellschaft weiter verfestigen. Ja, es war ein Tag, an welchem die Deutschen kapitulieren mussten. Wir haben dadurch aber noch etwas viel schlimmeres verhindern können und uns von einer schrecklichen Diktatur befreien können. 

In vielen anderen Staaten ist dieser Tag bereits ein Feiertag. Auch in Deutschland wird dieser Tag als Gedenktag in einigen Bundesländern zelebriert. Wieso schaffen wir es bisher nicht, im 30. Jahr der Deutschen Einheit, einem so wichtigen Tag auf der einen Seite für die Zukunft die richtige Deutung zu geben und zum anderen ihn für uns als wiedervereintes Deutschland als wichtiger denn je herauszustellen? 

 

Viel wichtiger als diese ganzen Argumente ist aber eine Sache: Meine Generation wird die erste sein, welche den Krieg und die daraus resultierenden Folgen nicht mehr hautnah miterlebt hat. Die Generation meiner Großeltern musste den Zweiten Weltkrieg erleben und die Generation meiner Eltern hat den Kalten Krieg als direkte Folge des Weltkrieges miterlebt. Wir leben auf deutschem Boden seit nunmehr 75 Jahren in Frieden. Seit einem Dreivierteljahrhundert ist von deutschem Boden kein Krieg mehr ausgegangen und es fanden auch keine Kampfhandlungen statt. Dies müssen wir loben und an dies sollten wir immer wieder denken, denn es ist nicht selbstverständlich. 

Diejenigen, die uns von anderen Zeiten berichten können, wird es aber auch nicht mehr für immer geben. Es ist richtig und wichtig, dass diese Leute weiterhin berichten können oder sich um die Erhaltung und Bewahrung von Gedenkstätten kümmern. Für uns ist dies die erste Hand, um die NS- Zeit und die Zeit des zweiten Weltkrieges weiterhin begreiflich zu halten und die kommenden Generationen dafür zu sensibilisieren.  

 

Wenn diese Zeitzeugen aber irgendwann uns nicht mehr berichten können, ja wenn diese Generation verstorben ist, dann kann ein 8. Mai als Feiertag und als „Tag der Befreiung“ uns daran erinnern, was diese Generation mitmachen musste, aber vor allem warum dieser Tag die weitere Geschichte Deutschlands so stark verändert hat. 

Ich möchte daher alle Menschen in Deutschland dazu aufrufen, diesen 8. Mai als „Tag der Befreiung“ und als zukünftigen, bundesweiten gesetzlichen Feiertag anzuerkennen. Dieser Tag ist fest mit unserer Geschichte verbunden und daher sollte er ein Feiertag werden. 

 

Wir Jusos im Ennepe- Ruhr- Kreis fordern dies nicht als einzige Organisation in Deutschland. Erst dieses Jahr hat die Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland, Esther Bejarano, die Forderung nach diesem Feiertag aufgestellt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat sich bereits im Mai 2018 auf seinem Bundeskongress für den 8. Mai als bundesweiten Feiertag ausgesprochen. Und auch andere politische Organisationen und Parteien denken offen über diese Idee nach. 

 

Lasst uns also den nächsten Schritt machen. Nachdem Richard von Weizsäcker 1985 den maßgeblichen Anstoß zur neuen Interpretation dieses Tages gegeben hat und die Diskussion in Deutschland darüber angekurbelt wurde, müssen wir im Jahr 2020 diese Diskussion beenden und endlich handeln: Den 8.Mai offiziell als „Tag der Befreiung“ anzusehen und dies als festen, gesetzlichen Feiertag einzuführen! 

 

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