Interview mit Mathias Hillbrandt, DGB: Ich wünsche mir eine Politik für die vielen!

Veröffentlicht am 20.05.2021 in Allgemein

Seit´ an Seit´ stehen wir traditionell mit den Gewerkschaften. Sie sind für uns ein wichtiger Verbündeter im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne. Das gilt auf der großen politischen Ebene, wie auch hier vor Ort. Der hiesige Vorsitzende des DGB ist Mathias Hillbrandt. Mit ihm haben wir uns zum Interview getroffen:

Lieber Mathias, Was hat dich dazu bewegt in einer Gewerkschaft mitzuarbeiten, mit welcher hat es angefangen und wie kamst du da zum DGB?
"Angefangen hat es während meiner dualen Ausbildung zum Chemikanten. Man sagte mir damals sowohl im Betrieb, wie auch Zuhause, dass ich einer Gewerkschaft beitreten sollte. Nur so,gemeinsam, sei man stark. Also trat ich der IGBCE bei. Dort hat mir der Einsatz gefallen und nun bin ich schon seit 15 Jahren hauptamtlich bei der IG Metall angestellt und seit 4 Jahren ehrenamtlich Vorsitzender des DGB im Ennepe-Ruhr-Kreis."

Wo braucht es eine bessere Tarifanbindung?
"Tarifgebiete wie Stahl sind gut auf dem Vormarsch, jedoch Dienstleister wie Pflegeberufe, der Einzelhandel und auch Leiharbeit sind stark auszubauen. Ein Mindestlohn von 12 Euro ist da ein netter Schritt, aber längst nicht genug, um später vernünftig in Rente gehen zu können ohne weiterhin nebenher zu arbeiten. Ein wichtiger Punkt ist auch die Leiharbeiterfalle bei jungen Menschen. Hier muss sich sehr vieles ändern."

Wie stellt sich der DGB die soz-öko. Transformation vor?
"Da sind sich die Einzelgewerkschaften einig: Wir müssen uns an der Transformation beteiligen können - technologisch und auch ökologisch. Grüner Stahl und Wasserstofftechnologie sind da gute Beispiele. Aber hier muss auch geschaut werden, was der Einzelne, egal ob Mitarbeiter*in, Betrieb und Gewerkschaft mitbringen müssen, um die Umwelt zu schonen und die Transformation voran zu bringen."

Wie findest du das neue Betriebsrätegesetz?
"Das Betriebsrätemodernisierungsgesetz ist der richtige Schritt zum Ziel, aber eben noch nicht das Ziel selbst. Es hilft Betriebsratswahlen in kleineren Betrieben einfacher zu gestalten, aber das reicht noch nicht. Es muss noch einiges getan werden. Wir wünschen uns mehr von der Gesetzesgebung: Es braucht einen anderen Zugang der Gewerkschaften zu den Betrieben, sowie mehr Gerechtigkeit bei den Einkommen. Aber aktuell ist mit der Union in der Regierung leider nicht mehr raus zu holen. Daher schauen wir mal, wie es ab September mit der neuen Regierung weiter geht. Aber es ist wie gesagt: Der Schritt geht in die richtige Richtung."

Wie schaffen wir mehr Mitbestimmung in den Betrieben?
"Da gibt es zwei Wege: Einmal über die Gesetzgebung und zum Anderen auf den Organisationsgrad der Gewerkschaften in den jeweiligen Betrieben. Für mich bildet die Mitbestimmung einen wichtigen Pfeiler. Erst einmal kann der Gesetzgeber die Mitbestimmung der Gewerkschaften in den Betrieben per Gesetz bestimmen und festlegen, aber es läuft auch viel über die Gewerkschaft und den jeweiligen Betrieben, denn es ist im Grunde ein Geben und Nehmen. Wenn die Betriebe etwas von den Gewerkschaften wollen, so wollen die Gewerkschaften mehr Mitbestimmung was im Endeffekt auch in Verträgen verankert wird."

Wenn du eine Sache jetzt ändern dürftest, wie du es willst ist, was wäre es und warum?
"Das ist natürlich eine schwierige Frage, denn aktuell sind meine Wünsche mit der momentanen Regierung nicht so umsetzbar, aber ich wünsche mir mehr kausale Wirtschaftsdemokratie und zwar von unten nach oben. Auch von der Bundesregierung wünsche ich mir, dass sie keine Politik für die wenigen riesigen Unternehmen macht, sondern für die vielen von uns. Vom kleinsten Betrieb bis zum größten, verdienen alle die selben Chancen und Möglichkeiten."

Wenn jemand grade frisch in eine Gewerkschaft eingetritt, was räts du ihm oder ihr, wie der Einstieg am besten gelingt?
"Es gibt die Möglichkeit entweder im Betriebsrat, also vor Ort aktiv zu werden, oder eben in der Gewerkschaft selbst sich zu engagieren. Da empfiehlt es sich den zuständigen Gewerkschaftssekretär zu kontaktieren und nach entsprechenden AGs und Sitzungen fragen. Sollte dies nicht funktionieren, kann man auch die entsprechenden Vorsitzenden kontaktieren und zB. über den Kreisverband beim DGB mitmachen. Dann wird man dort zu einer Sitzung eingeladen. Das kann man im übrigen auch so oder so."

Was würdest du genau Menschen raten, die grade frisch in die Arbeitswelt eintreten und sich wegen einem Gewerkschaftseintritt noch unsicher sind?
"Als Gewerkschaftsmitglied erklärt man sich solidarisch, wobei das Wort solidarisch für viele junge Leute erstmal altmodisch und abwertend klingt. Daher muss man bei diesen Leuten mit den Tarifverträgen punkten. Dort muss das Individuum sich einen Einblick verschaffen und engagieren können, um sich die Rahmenbedingungen im Betrieb zu halten oder verbessern zu können. Auch gibt es als Mitglied in einer Gewerkschaft die Möglichkeit zu schauen, welche Errungenschaften bisher erreicht wurden, welche Fehler wurden gemacht und was kann man noch verbessern. All dies kann dem einzelnen jungen Menschen helfen, für sich selbst und auch für seine Mitmenschen die Arbeitsbedingungen zu verbessern und so das Arbeiten so angenehm wie möglich zu gestalten."

Hast du schon Erfahrungen damit gemacht, das Leute Probleme bei der Arbeitssuche haben, weil sie in einer Gewerkschaft sind? Wie geht man mit Arbeitgebern um, die einen ungerecht behandeln aufgrund eines Gewerkschaftsbeitritts?
"Es passiert, dass auf einmal etwas schief läuft, jemand wird aus unerkenntlichen Gründen gekündigt. Dann kann der Arbeitnehmer zur Gewerkschaft gehen und den Rechtsschutz in Anspruch nehmen. Dies geht oft um einiges weiter als die eigene private Rechtsschutzversicherung. Aber die Gewerkschaften helfen auch bei den Betriebsvereinbarungengen - sie zu verstehen und anzupassen.
Aber es wird anschließend auch geschaut, wie kann man dem Arbeitgeber die Zusammenarbeit mit dieser Gewerkschaft schmackhaft machen, denn auch diese sind meist irgendwo organisiert und die Gewerkschaften bieten auch eine Menge Service für die Betriebe. In Betrieben, in denen so gut wie jede*r Mitarbeiter*in organisiert ist, ist es schwer, den Einzelnen wegen seiner Gewerkschaftszugehörigkeit zu entfernen, aber auch Einzelkämpfer*innen werden hier nicht im Stich gelassen. Es wird, wie bereits erwähnt, mit den Arbeitgeber*innen bzw. den Betrieben verhandelt und geschaut, ob die Gewerkschaft nicht doch noch einen guten Zugang erhalten kann."

Vielen Dank für das Gespräch, Mathias! Wir freuen uns auf den weiteren Arbeitskampf mit dir und dem DGB an unserer Seite!

 
 

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